Freitag, 12. Juni 2009

Unterm Strich

Lieber Mann vom Schulamt!
Bist du die Spielchen nicht auch langsam leid? Jedes Jahr die gleiche Nummer, die gleiche Farce, dich und deine ach-so-kargen Vertretungsstellen im Marktwert zu steigern? Jedes Mal der gleiche Zermürbungskrieg. "Ja, raten Sie doch mal! Meinen Sie, wir verlängern Ihren Vertrag oder nicht? ... Ach, glauben Sie? Und über den Sommer möchten Sie womöglich auch noch bezahlt werden?! Hm, tja. Vielleicht, vielleicht auch nicht, nicht wahr? Sie dürfen gespannt bleiben. Wenn Sie versprechen mich die nächsten Wochen nicht öfter als dreimal täglich zu behelligen, lassen wir Sie vielleicht an der nächsten Verlosung teilnehmen!" Mal ehrlich, ist das nicht etwas unter deinem Niveau?
Nun. Offensichtlich nicht. Und da subtile Andeutungen an dich stets verschwendet sind, sag ich's jetzt mal, wie es ist: Ich durchschaue dich! Ich verstehe jetzt, warum du es nötig hast, dich und deine so wohl vergüteten (?) Stellen künstlich rar zu machen. Du weißt nämlich etwas, das ich erst jetzt herausgefunden habe: Wenn ich mich nicht von dir anstellen lasse, sondern brav zum Arbeitsamt wandere und die 60%-vom-Nettogehalt-Arbeitslosengeld plus Wohngeld beantrage, dann gehe ich am Ende mit genauso viel Kohle nach Hause wie wenn ich mich 14 Schulstunden die Woche des Nachwuchs unserer förderungswürdigen, bildungsfernen Schichten annehme! Ist das nicht unglaublich? Ich weiß für dich ist das ein alter Hut, den du wohlweißlich niemandem leihst, aber meine Güte, man wird jawohl mal die Kinnlade nach unten klappen dürfen ob dieser Erkenntnis!
Dennoch - und diese Einsicht ist für mich mindestens ebenso überraschend (und verstörend) wie wohl für dich, lieber Mann vom Schulamt - hätte ich gerne einen neuen Vertrag. Ja, ich würde mich gerne auch weiterhin mit den lieben Kleinen rumschlagen. Vielleicht bin ich da seltsam. Mir fallen auch keine stichhaltigen Argumente ein so auf die Schnelle. Wobei, das dürfte dir ja ohnehin egal sein - eine billige, willige, jederzeit kündbare Arbeitskraft mehr. Also: du hast gewonnen. Du sitzt am längeren Hebel. Herzlichen Glückwunsch. Bin ich jetzt bei der Verlosung dabei?
Mit angemessen devotem Gruß,
deine Frau B.

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