Montag, 1. März 2010

Ruah...

...ist nicht die bayerische Version von "Ruhe", sondern im Gegenteil, wie ich gestern erfahren und heute nachgegoogelt habe, das hebräische Wort für "Wind", "Atem", "Geist Gottes". Und davon wehte heute ja so allerhand über das Land hinweg. Und über mein Dach.
Ich wohne gerne unter dem Dach und bin nah am Himmel, mitten drin im Wetter. Man bekommt ein anderes Gespür für die Jahreszeiten, wenn man jeden Regentropfen hört, wenn das Licht durch eine Schneeschicht auf den Dachfenstern den ganzen Tag über matt bleibt wie in einem Iglu, wenn die Sommersonne die Wohnung in eine Sauna verwandelt, in der man es in Klamotten gar nicht aushält, wenn der Wind durch die Ritzen und Lüftungsschächte pfeift. Heute allerdings...
Es gibt so ein paar Stürme im Jahr, wo das Erleben des Wetters etwas ganz Urspüngliches, Wildes, den Elementen Ausgeliefertes bekommt. Das sind dann die Momente, in denen man sich überlegt, wen man denn tatsächlich nachts um drei anrufen würde, wenn ein Dachziegel vom maroden Dach nebenan eins meiner Fenster zerlegen würde. Am Besten noch gleich das, unter dem mein Bett steht.

Vielleicht ist es eine alberne Angewohnheit, sein Bett direkt unter das Dachfenster zu stellen. Aber, wenn das wilde Wetter gerade mal Pause macht, kann man nachts im Liegen die Sterne sehen. Und im Frühling und Herbst kann man sich auf dem Bett sonnen, wenn man will. Und das will ich. Andererseits wiederum...
Ich weiß noch, wie ich in Leipzig einmal davon aufwachte, dass mir Wassertropfen schön regelmäßig - wie bei dieser mittelalterlichen Foltermethode - genau auf die Stirn fielen. Das war äh... interesssant. Und dann war da mal dieser Hagelschauer während der Fußball-EM, als die Autodächer hinterher alle aussahen wie Golfbälle. Aber da war ich wenigstens nicht zuhause, um bei jedem Aufschlag zu überlegen, ob das Fensterglas wohl hält...
Heute hat alles gehalten. Eine Geschichte ohne Pointe. Ruah hat erstmal ausgeweht. Und ich weiß immer noch nicht, wen ich im Ernstfall am Klügsten anrufe. Vielleicht sollte ich mir mal ne dicke Rolle Abdeckfolie kaufen. Die kann ich im Keller lagern, da ist ja jetzt so viel Platz seit Einbrecher ihn ausgeräumt und mich um meinen Fernseher und DVD-Player erleichtert haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

"Das ist mein Zimmer unter dem Dach.
Da heult nachts der Wind, hält der Regen mich wach..."

...und jetzt gib halt a Ruah.

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